Dekubitus Fachwissen
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Darier-Krankheit
Erbliche, therapieresistente Verhornungsstörung der Haut (vor allem talgdrüsenreicher Bereiche), mit Bildung bräunlicher, sekundär infektiös krustöser bis linsengroßer Knötchen, meist symmetrisch an Schläfen, behaarter Kopfhaut, in den Kinn-, Nasen-, Gelenkfalten, in der vorderen und hinteren Schweißrinne.



Debridement (Wundeszision)
Wundausschneidung nach Friedrich, gründliche Entfernung von nekrotischem Gewebe, Wundanfrischung, keilförmige Ausschneidung der Wundränder und des Wundgrundes durch Abtragung im gesunden, gut durchbluteten Gewebe unter Entfernung evtl. vorhandener Fremdkörper zur Verhinderung einer Wundinfektion.



Dekubitus
Bild vergrößern Dekubitalgeschwüre sind Schädigungen der verschiedenen Hautschichten aufgrund eines nicht physiologischen Druckes auf das Gewebe. Als nicht physiologischer Druck ist der Druck zu bezeichnen, der sowohl die arterielle Blutzufuhr, als auch die venöse Blutzufuhr unterbindet.







Dekubitus acutus (Samuel 1860"Die trophischen Nerven")
Hiermit wird ein Druckgeschwür bezeichnet, das bereits nach kurzem Liegen, also nach wenigen Tagen Bettruhe auftritt. Es ist durch eine oberflächliche Hautschädigung gekennzeichnet. Lt. Samuel kann Dekubitus acutus bereits bei Lähmungen nach wenigen Tagen auftreten. Samuel vermutet sogenannte trophische Nerven, die die Ernährung des Gewebes regeln, das heißt, Ursache solcher Dekubitusgeschwüre ist nicht unmittelbar der äußere Druck, sondern vielmehr ein Versagen dieser Nerven, wodurch das Gewebe in diesen Regionen untergeht.
Diese von Samuel vermuteten Nerven konnten allerdings nicht gefunden werden, so dass seine Auffassung sich eigentlich nie etablieren konnte, wohl aber seine Bezeichnung "Dekubitus acutus".



Dekubitus chronicus (Samuel 1860 "Die trophischen Nerven")
Ein Dekubitus dieser Art entsteht erst nach langem Liegen (mehrere Wochen oder Monaten Bettruhe). Es handelt sich dabei um ein tiefes, fauliges, sogenanntes böses Druckgeschwür.
Dekubitus chronicus ist demnach durch Druck ausgelöst, der bei langem Liegen entsteht, hauptsächlich bei älteren und geschwächten Patienten.
In der Praxis bietet sich diese Differenzierung nicht an, da auch ein Dekubitus acutus ein tiefes und damit böses Druckgeschwür sein kann.



Dekubitus Stadium 1
Bild vergrößernDie Haut ist zwar noch nicht verletzt, es zeigt sich aber schon eine abgegrenzte Rötung, die nicht "wegdrückbar" ist. Hier zeichnet sich sehr gut diese eben beschriebene"nicht wegdrückbare" Rötung von der noch intakten Haut ab.







Dekubitus Stadium 2
Bild vergrößernDie Haut weist erste Schäden auf. Entweder besteht eine oberflächliche Abschürfung, oder es bilden sich Blasen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. In diesem Fall ist die Blasenbildung und auch die Größe des Defektes gut zu erkennen.







Dekubitus Stadium 3
Bild vergrößernDie Hautschäden vertiefen sich und reichen bis hin Zum Muskelgewebe, Sehnen und Bänder. Die Wunde reicht tief bis in das Muskelgewebe hinein und ist feucht und schmierig.








Dekubitus Stadium 4
Bild vergrößernEs zeigt sich abgestorbenes Gewebe. Häufig sind auch die Knochenhaut (Periost), oder Knochen in den tieferen Gewebeschichten mitbeteiligt. Ein massiver Dekubitus dessen Tiefe bis zum Knochen reicht. Die Wunde ist mit abgestorbenem Gewebe (Nekrose) belegt, das in jedem Fall chirurgisch abgetragen werden muss.






Dekubitusursachen
Primärer Faktor bei der Entstehung des Dekubitus ist ein lang anhaltender externer Druck, der über dem Kapillardruck liegt. Der mittlere Blutdruck in den Arteriolen beträgt nur 30 - 35 mmHg. Ein von außen kommender Druck von 40 mmHg oder mehr komprimiert somit bereits die Arteriolen und Venolen. Die dadurch verminderte Mikrozirkulation führt zu einer Einschränkung des Zellstoffwechsels bis hin zur Gewebanoxie. Das bedeutet Durchblutung und Ernährung sind unterbrochen, und es entwickelt sich eine lokale Ischämie.
Eine Ischämie im Kapillarwandbereich hat eine Vasodilatartion, eine Zunahme der Kapillarpermeabilität mit Exrtavasation (von Blut oder Lymphe) sowie zelluläre Infiltration zur Folge. Ein aktiver Entzündungsprozess mit reaktiver Hyperämie setzt ein. Wird der Druck nicht beseitigt, drohen intensive lokale Ischämien, venöse Thrombose und degenerative Veränderungen. Sie sind irreversibel und führen schließlich nach mehr als zwei Stunden Druckbelastung zu Nekrose und Ulzeration. Lässt der Druck vor diesem Zeitpunkt nach, können sich die Zellen dagegen ohne sichtbare Folgen erholen. Bei vollständiger Druckentlastung ist die reaktive Hyperämie reversibel, und das Gewebe kann perfundiert werden. Der Abtransport toxischer Stoffwechselprodukte ist damit gewährleistet.
Die entscheidenden dekubitogenen Faktoren sind der Auflagedruck und die Druckverweilzeit. Der Auflagedruck ist definiert als Kraft pro Auflagefläche. Von Bedeutung ist dabei, ob der Auflagedruck auf empfindliche Körperstellen (z.B. Sacrum oder Trochanter) oder auf weiche, weniger sensible Areale (z.B. große Muskeln über Knochen) trifft. Die Druckverweilzeit ist definiert als jene Zeitdauer, während der ein bestimmter Auflagedruck auf ein definiertes Hautareal einwirkt. Am größten sind die Auflagedrücke bei (in Rückenlage) liegenden Patienten über dem Kreuz- und Steißbein sowie an den Fersen.
Geriatrische, dekubitusgefährdete Menschen liegen meist in Rückenlage, weshalb in der Geriatrie der Kreuz- und Steißbeindekubitus sowie der Fersendekubitus am häufigsten auftreten. Aus der Einflussnahme auf diese zwei Faktoren - dem Auflagedruck und der Druckverweildauer - ergibt sich der entscheidende Wegweiser für die Dekubitusprophylaxe: Auflagedruck vermindern und Druckverweildauer verkürzen.
Nicht vergessen werden sollten auf den Patienten einwirkende Faktoren, die mechanische Hautschädigungen gefährlich begünstigen: Im Bett liegengebliebene Thermometer, EKG-Kabel, Drainageschläuche, Blasenkatheter sowie Instrumente, Spritzen, Schutzkappen und Verbandsklammern. Auch Krümel und Falten im Bettlaken sind oft Ursache einer Hautbeschädigung.



Dekubitus Vorbeugung
Um einen Dekubitus zu vermeiden, bedarf es neben einer adäquaten Lagerung und Druckentlastung auch einer entsprechenden Ernährungstherapie. Wichtig ist die ausreichende Energie- und Eiweißversorgung, um einen guten Ernährungszustand zu erhalten bzw. zu erreichen. Der Energiebedarf liegt bei 35 kcal pro kg Körpergewicht. Dem Nahrungseiweiß kommt als Baustein der Muskulatur und der Haut eine Schlüsselrolle zu.



Demenz
Demenz ist der medizinische Ausdruck für eine Hirnleistungsschwäche. Der geistige Abbau betrifft die höheren Gehirnfunktionen, Gedächtnis, Sprache, Denken, Planen und das bewusste Gefühlsleben. Für die Demenz gibt es mehrere Ursachen. Am häufigsten ist die sogenannte Alzheimer-Demenz. Die Gehirnveränderungen sind zwar gut untersucht, deren eigentliche Ursachen aber noch ungeklärt.



Dermatitis
In engerem Sinn akute, nichtinfektiöse, entzündliche Reaktion der Haut (mit Rötung, Schwellung, Bläschenbildung, Nässen, Krusten), entweder toxisch (durch hautschädigende Noxen) oder vor allem allergisch bedingt. Übergänge zu eher chronischen Verlaufsformen (Ekzem) sind fließend.



Destruktion
Die Zerstörung von Geweben oder Organen durch Verletzung oder Entzündung.



Diarrhoe/Durchfall
Die Ursachen einer Diarrhoe können sehr vielfältig sein. Durch Störungen in der Nährstoffverwertung, z.B. Lactose-Intoleranz (Michzuckerverträglichkeit) können Durchfälle ausgelöst werden. Auch Resorptionsstörungen, bedingt durch eine geschädigte Darmflora, z.B. nach einer Strahlentherapie, können Durchfälle auslösen.



Druckentlastung
Druckentlastung ist die einzige wirklich wirksame Maßnahme zur Normalisierung der Durchblutung. Nur durch diese Maßnahme wird eine Normalisierung der Sauerstoffversorgung im Wundbereich erreicht. Ohne eine Druckentlastung ist die Heilung nicht möglich, auch nicht, wenn andere Maßnahmen zur Heilung ergriffen werden. Das bedeutet auch, alle anderen therapeutischen Maßnahmen sind sinnlos, wenn keine oder nur eine unzureichende Druckentlastung stattfindet.
Zur Vorbeugung reicht eine einfache Umlagerung des Patienten aus, Ist aber einmal ein Dekubitus entstanden, so muss der Patient auf einem Antidekubitussystem gelagert und gleichzeitig weiterhin umgelagert werden.



Druckgeschwür
Druckgeschwüre oder auch Dekubitalgeschwüre sind Schädigungen der verschiedenen Hautschichten aufgrund eines nicht physiologischen Druckes auf das Gewebe. Als nicht physiologischer Druck ist der Druck zu bezeichnen, der sowohl die arterielle Blutzufuhr, als auch die venöse Blutzufuhr unterbindet.



Druckreduzierung
Maßnahme um den Auflagedruck des jeweiligen Patienten zu reduzieren. Bedingt durch das technische Prinzip kann der Auflagedruck an der aufliegenden Körperfläche jedoch nur zeitweise unterhalb des venösen Verschlussdruckes (siehe Kapillardruckmessung von Landis) geführt werden. Die bekannteste Form der Druckreduzierung in Verbindung mit Luftkammernsystemen ist das Wechseldruckprinzip.



Durchblutungsstörung
Krankhaft veränderte (in engerem Sinne verminderte) Durchblutung von Teilen des Gefäßsystems, führt meist zu Funktionsstörungen der betroffenen Organe (Ischämie). Die Symptome sind abhängig von der Art des Gefäßes (Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venen), von der Körperregion, vom Ausmaß und den Kompensationsmöglichkeiten der Störung.